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"Wer die Vergangenheit vergisst, ist dazu verurteilt,
sie zu wiederholen"
Klassen aus Lappersdorf besuchten KZ-
Am 2. Mai fuhren unsere beiden Klassen nach Flossenbürg in der Oberpfalz. Gegen 9.45 begrüßte uns Carsten Dierks, der in den folgenden 2 ½ Stunden unser Begleiter war, vor dem ehemaligen Kommandanturgebäude. Der sonnige Frühsommertag stand im krassen Gegensatz zu dem, was uns erwartete.
Das KZ war im Mai 1938 eingerichtet worden. Die Hälfte der Häftlinge mussten in mehreren Granitsteinbrüchen für die SS arbeiten. Das Urgestein Granit war wohl symbolisch das geeignete Material für Bauwerke des "tausendjährigen Reiches".
Ein Film in der ehemaligen Kommandantur verschaffte uns einen Eindruck über Leben und Leiden der Insassen. Dierks erzählte uns anschließend auf dem Appellplatz, der momentan wieder in seinem ursprünglichen Zustand hergerichtet wird, die besondere Bedeutung dieses Ortes. Die Häftlinge mussten hier morgens vor der Arbeit und abends danach oft stundenlang ausharren. Viele starben dabei, weil die SS-
Auf dem eigentlichen Friedhof, den wir danach betraten, liegen etwa 5500 Menschen begraben. Sie starben entweder in den Außenlagern des KZ oder bei den Evakuierungsmärschen im April 45 und wurden hier bestattet.
Auf dem Weg in das "Tal des Todes" besichtigten wir Reste des "Originallagerzaunes". Das Krematorium diente der Verbrennung ermordeter und verstorbener Häftlinge. Als später der einzige Ofen nicht mehr ausreichte, wurden oft Dutzende von Leichen auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Im Tal des Todes liegt auch der eigentliche Erschießungsplatz mit der "Aschenpyramide".
Über den Platz der Nationen mit seinen Gedenksteinen stiegen wir etliche Stufen zur christlichen Sühnekapelle hinauf. Diese wurde 1946 aus den Granitsteinen der abgebrochenen Wachtürme errichtet, drei Wachtürme sind noch erhalten, aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die danebenliegende jüdische Gedenk-
Auf dem Weg von den beiden Kirchen zum Arrestbau bemerkten wir ein Polizeifahrzeug im KZ-
INTERVIEW MIT DEM LEITER DER KZ-
Mit dem Leiter der KZ-
FRAGE
Herr Skriebeleit, was waren die Schwerpunkte Ihrer Arbeit bisher?
ANTWORT:
Zuerst einmal war da die Forschung in Archiven. Ursprünglich hatte es geheißen, dass es zu Flossenbürg nichts mehr gibt, das heißt, dass keine Quellen mehr vorhanden wären, da alles vernichtet worden sei, die SS hätte alles verbrannt. Aber das stimmt nicht, die haben zwar viel verbrannt, aber man kann noch jede Menge finden. Ich war inzwischen zweimal in den USA im Nationalarchiv und auch im Archiv der Vereinten Nationen und man findet jede Menge. Ich würde sogar sagen, dass Flossenbürg zu einem der bestdokumentiertesten Lager gehört. Das heißt aber nicht, dass alles schon ausgewertet ist. Wir sammeln erst mal alles und versuchen es zu analysieren.
Ein ganz wichtiger Punkt war auch die Betreuung von ehemaligen Häftlingen und Überlebenden des Konzentrationslagers. Es gibt davon noch ungefähr zwei-
FRAGE:
Was haben Sie sich sonst für die nächste Zukunft vorgenommen?
ANTWORT:
Ganz wichtig wird die Arbeit auf dem Gelände selbst sein, damit haben wir auch schon begonnen und z. B. viele Bäume gefällt, um einen besseren Eindruck zu vermitteln, wie groß das Lager tatsächlich war. Wie ihr bestimmt auch bemerkt habt, kann man sich in Flossenbürg nur sehr schwer ohne Führung orientieren. Man weiß nicht so genau, wo was gewesen ist und wie groß das Lager war. Ein Schwerpunkt meiner zukünftigen Tätigkeit wird deshalb die Entwicklung einer Neukonzeption sein, die modernen Ansprüchen der Gedenkstättenpädagogik entspricht und z. B. auch die noch vorhandene historische Bausubstanz zugänglich macht.
FRAGE:
Macht Ihnen Ihre Arbeit denn auch Spaß? Sie kommen anscheinend oft mit Opfern ins Gespräch und hören dann schreckliche Dinge?
ANTWORT:
Spaß ist wahrscheinlich der falsche Ausdruck. Ich habe hier eine wichtige und interessante Aufgabe, von der man aber oft nicht einfach nach Hause gehen kann und so tun kann, als ob sie einen nicht auch tief persönlich berührt. Um dann wieder den nötigen Abstand zu gewinnen, braucht man auch irgendeine Ablenkung, ein Ventil. Ich zum Beispiel spiele -
FRAGE
Kommen hier auch alte und junge Nazis und machen Probleme?
ANTWORT:
Natürlich ist so ein Ort eine Provokation für alte und junge Nazis, aber die Reaktionen halten sich im Rahmen. Ich weiß nicht, wie es bei euch in der Klasse ist, aber in fast jeder Gruppe von jungen Besuchern gibt es auch "Deppen" oder Leute, die provozieren wollen. Mit denen versuchen wir ins Gespräch zu kommen, keine Denkverbote auszusprechen, sondern nachzufragen und zu überzeugen. Das klappt dann auch oft. Mit Altnazis ist das aber nach meiner Erfahrung sinnlos. Da kann man Zeitzeugen präsentieren oder Originaldokumente vorlegen, die kann man nicht mehr überzeugen, die wollen das alles ganz oft auch gar nicht wissen. Und wir bekommen auch mal Briefe und Anrufe. Für die Briefe haben wir sogar einen Ordner, der hat den schönen Titel "Fanpost". Solche Dinge übergeben grundsätzlich auch der Polizei, da muss man schon dahinter sein.
FRAGE:
Wurden Sie auch schon mal persönlich bedroht oder angegriffen?
ANTWORT:
Es kommt schon mal was vor, aber ich möchte das nicht überbewerten. Nicht jedes Mal, wenn man im Bus oder Wirtshaus blöd angeredet wird, steckt dahinter ein Nazi. Es kommt schon mal ein blöder Spruch, aber da versuche ich halt drüber wegzusehen.